Nach Magna nun Peugeot PSA? Was wird aus Opel?

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JR__
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Beitrag von JR__ » Do 9. Nov 2017, 13:06

Ist es nun ein gutes oder schlechtes Zeichen, dass kaum konkrete Infos über den Sanierungsplan von Opel an die Öffentlichkeit gelangt ?(

Zusammengefasst schreiben Welt ( https://www.welt.de/motor/news/article1 ... h-PSA.html ) und n-TV ( http://www.n-tv.de/wirtschaft/Opel-verz ... 23589.html ):

- Alle Opel / Vauxhall Modelle werden in den nächsten 7 Jahren komplett auf PSA Basis umgestellt
- Einsparung durch Synergieeffekte beziffert Opel mit 1,1 Milliarden Euro bis 2020 (bei aktuell 38.000 Mitarbeitern bei Opel & Vauxhall)
- Vorerst sind kein Mitarbeiterabbau und Werksschließungen geplant (wobei betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland per Vertrag eh bis Ende 2018 ausgeschlossen sind)
- Es wird darüber nachgedacht, Opel auf weiteren Märkten anzubieten

Klingt erstmal nicht so schlimm. Aber 1,1Mrd € auf 38000 Köpfe umgelegt macht pro Mitarbeiter Einsparungen von knapp 30000€. Wenn mit "bis 2020" der Geschäftsjahresbeginn 01.04.2020 gemeint ist: Dann macht das gut 1000€ pro Monat pro Mitarbeiter. Das klingt bitter. Oder kann man die Kosten bei Zulieferern sparen? Das Ergebnis wäre aber auch nicht "schöner"...

Ob die Lizenzen bei PSA günstiger sind als bei GM?

Gruß
Jürgen
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Beitrag von JR__ » Fr 10. Nov 2017, 07:40

Laut Tagesschau sollen 1,1Mrd€ nicht bis 2020, sondern jährlich eingespart werden. Das erhöht die monatliche Summe pro Mitarbeiter auf über 2400€. Entweder verdienen Opelmitarbeiter im Schnitt monatlich >10t€ und es tut etwas weh, oder sie arbeiten bald für nichts...
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Beitrag von JR__ » Mi 15. Nov 2017, 12:07

Hier mal eine Bewertung des Sanierungsplans:
http://www.focus.de/auto/news/opel-stra ... ncid=focus

Manche Aussagen sagen viel aus, und machen wenig Mut:

- Zitate vom PSA-Chef Carlos Tavares zum Sanierungsplan PACE: „Die Lage ist dramatisch“, „Opel hat Luft zum Atmen, solange der Profit und die Umsätze stimmen"

- Entgegen aller Unabhängigkeitsbekundungen, die Musik wird in Zukunft in Paris gespielt. Die Schlüssel-Vorstandsressorts für Finanzen und Produktion sind bei Opel bereits mit sanierungserprobten PSA-Managern besetzt.

- Bis 2020 soll jedes Auto um 700 Euro billiger sein.

- Um effizienter produzieren zu können, sinkt bis 2024 die Anzahl der Architekturen auf zwei (PSA-Plattformen CMP und EMP2) und die der Motorenfamilien auf vier.

- Wie der Technologietransfer aussieht, ist am neuen Grandland X ganz gut zu erkennen. Statt des vielfach gelobten Opel LED-Matrix-Licht, hat der Crossover „nur“ LED-Scheinwerfer, weil die französische Plattform EMP2, auf der auch der Peugeot 3008 steht, noch nicht mehr hergibt.

Meine Meinung:
- Technische Innovation wird nach unten an Peugeot angepasst
- 4 Motorfamilien? Was heißt das? Eine Diesel-, Elektromotor-, Hybrid- und eine 4 Zylinder Benzin-Plattform? Oder nur noch 3 Zylinder? Vom Karl bis Insignia???
- Die Ankündigung die Zulieferer massiv zu drücken bedeutet doch: Entweder haben die bisher zu teuer und / oder zu hochwertig gefertigt. Die Qualität wird mindestens um den Herstellungspreis je hergestelltes Fahrzeug gesenkt.

Keine guten Aussichten. Besonders da sich langsam herauskristallisiert, was in den nächsten Jahren für teures KnowHow entwickelt werden muss (Märkte mit Verbot für Verbrennermotoren, massiver E-Autodruck aus USA, China und durch neue Hersteller). Die Situation bei der Mobilität hat derzeit etwas vom Beginn des 20. Jahrhunderts, wo Nähmaschinenhersteller (Opel) oder Küchengerätehersteller (z.B. Miele) sich als Fahrzeughersteller versuchten...

Gruß
Jürgen
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Der Sash!
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Beitrag von Der Sash! » Mi 15. Nov 2017, 20:30

Ja, ich sehe das mit ähnlich gemischten Gefühlen. :(

Für mich steht fest, dass ich kein Produkt mit französischen Wurzeln kaufen werde - auch nicht wenn der Blitz drauf klebt. Das ist für mich dann nur eine seelenlose Hülle.
Ggf. würde ich mir in ein paar Jahren noch den jetzt aktuellen Insignia als Jahreswagen zulegen und in weiteren 10 - 15 Jahren dann schauen was sich finden lässt.

Oder aber es kommt doch anders und man kann in Zukunft weiterhin Opel fahren, ohne zu merken, dass es eigentlich ein Franzose ist - muss man abwarten.

Gruß, Sascha

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Beitrag von Osirus » Mi 15. Nov 2017, 21:17

Technologietransfer
Das ist es, was mir am meisten Bauchschmerzen macht.
Bei PSA ist derzeit z.B. weder nen vernünftiges LED-Licht noch ACC in der Vergleichsklasse zum Insignia verfügbar. (Bei den Astra-Equivalenten vermutlich ebenso nicht.)
Sprich die Fahrzeuge werden, wenn PSA da nicht nachlegt, mit Vollausstattung nur noch mittelmäßig ausgestattet sein.
Damit sind die Fahrzeuge dann keine ernsthafte Konkurenz mehr zu den deutschen Autobauern inkl aller VAG-Marken. Die können sich solche Technologie allerdings auch leisten, weil sie Geld verdienen.
Für Opel gut, wenn sie ohne "Highlights" dann endlich Geld verdienen, für mich nicht, weil ich mich dann wo anders umsehen werde. ;(
Ist die Frage, ob das am Ende aufgehen kann, ich denke, der Weg auf dem Opel jetzt war, war der richtige, zumindest für den deutschen Markt.
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Sepp
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Beitrag von Sepp » Mi 10. Jan 2018, 08:10

Nun, schon gibt es einen Vorgeschmack, wohin die Reise geht: ältere Mitarbeiter werden an die Luft gesetzt und durch billigere, junge mit anderen Verträgen ersetzt. Bericht in den OÖ Nachrichten von gestern:
PSA-Konzern will sich von 1300 Mitarbeitern trennen

PARIS. Der französische Autohersteller PSA will heuer rund 1300 Mitarbeiter entlassen. Der Konzern mit den Marken Peugeot, Citroen und Opel macht dafür als eines der ersten Unternehmen in Frankreich von dem gelockerten Kündigungsschutz Gebrauch, wie die Nachrichtenagentur AFP heute, Dienstag, von Gewerkschaftern erfuhr.

Die älteren Mitarbeiter sollten freiwillig mit Abfindungen die Firma verlassen, hieß es. Der Konzern habe zugesagt, dafür 1300 jüngere Menschen unbefristet neu einzustellen und 2000 Ausbildungsplätze zu besetzen. Dafür bedarf PSA noch der Zustimmung von Gewerkschaften, die mindestens 50 Prozent der Belegschaft vertreten. Die Gewerkschaft CGT warf dem Autokonzern vor, mittelfristig nur noch "instabile Jobs und Zeitverträge" anbieten zu wollen. Andere Gewerkschaften könnten dagegen zustimmen.

Der gelockerte Kündigungsschutz ermöglicht Unternehmen einen Stellenabbau ohne Sozialplan. Präsident Emmanuel Macron hatte das umstrittene Arbeitsmarktgesetz per Verordnung durchgesetzt. Die Bekleidungskette Pimkie kündigte kürzlich als erste an, in Frankreich nach den neuen Regeln mehr als 200 Stellen abbauen zu wollen.
Schöne Formulierung: "sollen freiwillig die Firma verlassen". Werden sicher alle mit Freuden machen, hat ja jeder der 50+ ist schon sicher einen neuen Job in der Tasche... Fehlt mir noch der Hinweis, was kommt, wenn jemand nicht "freiwillig" geht, da kommt doch noch was, oder?

Gruß, Sepp
Wer barfuß geht, dem kann man nichts in die Schuhe schieben.

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Beitrag von JR__ » Mi 10. Jan 2018, 10:30

Frankreich hatte bisher eine sehr Arbeitnehmerfreundliche Politik (Rente, Arbeitsschutz usw). Deutschland war bisher auch nicht schlecht aufgestellt. Man sieht aber in den letzten Jahrzehnten die kontinuierliche Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten (in Deutschland gibt es schon seit 13 Jahren (seit 3 Jahren nochmal verschärft) kein Parität in der Krankenversicherung!). Verschärfend kommt die starke Nachfrage von niedrig und unqualifizierten Menschen am Arbeitsmarkt.

Mit der Gespenst "Demografischer Wandel" wird hier eine Konkurrenzsituation um Niedriglohnarbeitsplätze und Wohnungen extrem angeheizt. Aus meinen Umfeld kommt das nächste Phänomen dazu: Junge Menschen nur noch in Praktika und befristeten Arbeitsverträgen zu beschäftigen. Wer kann mit Ende 20 / Anfang 30 eine Familie gründen und an Sesshaftigkeit trotz guter Ausbildung denken, wenn der Arbeitsvertrag immer nur 1 oder 2 Jahre läuft ?(

Bei den Wahlen wurde aber mehrheitlich für die Parteien ausgesprochen, die für diese Shareholder freundliche Politik eintreten. Nun muss die Gesellschaft diese Entwicklung akzeptieren...

Irgendwie fühle ich mich als Einäugiger unter Blinden - Was ich mich frage: Nehme ich den "Armen" das "letzte Hemd" (in Form von sicheren auskömmlichen Arbeitsplätzen und ausreichend bezahlbaren Wohnungen), ist es doch absehbar diese Bevölkerungsgruppe sich erst gegenseitig bekämpfen wird - und später die Extremisten unterstützten wird. Warum setzt man eine Entwicklung in Gang, die in der Geschichte immer ins Verderben führte ?( ;(

Ich habe dazu keine Antwort, und schaue immer weiter mit Sorge in die Zukunft.
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Re: Nach Magna nun Peugeot PSA? Was wird aus Opel?

Beitrag von JR__ » Di 17. Apr 2018, 17:55

Nun wird sich zeigen, wer noch billiger kann - und ob es danach noch genügend Zulieferer gibt:
https://www.focus.de/finanzen/news/1600 ... 80295.html
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Re: Nach Magna nun Peugeot PSA? Was wird aus Opel?

Beitrag von Osirus » Di 17. Apr 2018, 22:40


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Re: Nach Magna nun Peugeot PSA? Was wird aus Opel?

Beitrag von JR__ » Mi 18. Apr 2018, 06:00

Sorry, meinte nicht Zulieferer - sondern Händler. Vielleicht stellt Opel auf Online Handel um :spin:

Ich befürchte, damit wird die Ersatzteilversorgung auch für unsere Auto weiter massiv eingeschränkt werden...
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